Wie ver­hal­te ich mich rich­tig bei Wil­dun­fäl­len?

Die Ta­ge wer­den kür­zer, das Wet­ter schlech­ter. Der Herbst ist die Jah­res­zeit, in der sich be­son­ders häu­fig Wil­dun­fäl­le er­eig­nen. Als auf­merk­sa­mer Kraft­fah­rer nimmt man zwar das gan­ze Jahr über ent­spre­chen­de Ge­fah­renschilder wahr, ent­wi­ckelt je­doch ei­ne ge­wis­se Gleich­gül­tig­keit, da man ja nie Wild zu se­hen be­kommt. Die­se trü­ge­ri­sche Si­cher­heit wird Au­to­fah­rern oft im Herbst zum Ver­häng­nis. Ins­be­son­de­re Förs­ter und Po­li­zei ra­ten in die­ser Jah­res­zeit ganz be­son­de­re Vor­sicht wal­ten zu las­sen. 

Wild­zäu­ne, Re­flek­to­ren an Leitp­fos­ten so­wie die Ver­wen­dung von Dufts­tof­fen hel­fen zwar Wild von Stra­ßen fern zu hal­ten, ei­ne auf­merk­sa­me Fahr­wei­se bringt je­doch den An­ga­ben der Po­li­zei nach, den meis­ten Nut­zen. Dass Wil­dun­fäl­le nicht nur graue Theo­rie sind, be­le­gen Sta­tis­ti­ken, wel­che be­sa­gen, dass es in der ver­gan­ge­nen Sai­son zu knapp 210.000 Wil­dun­fäl­len ge­kom­men ist. War ein Un­fall ein­mal nicht ver­meid­bar, gilt es sich im An­schluss hie­ran rich­tig zu ver­hal­ten, um wei­te­ren Är­ger zu ver­mei­den.

Zu­nächst gilt es, die Un­fall­stel­le zu si­chern. Hier­zu soll­te die Warn­blink­an­la­ge ein­ge­schal­tet und in aus­rei­chen­dem Si­cher­heits­ab­stand ein Warn­drei­eck auf­ge­stellt wer­den. Gleich­zei­tig soll­te man sich ei­ne Warn­wes­te anzie­hen, um für an­de­re Ver­kehrs­teil­neh­mer bes­ser sicht­bar zu sein. 

Sind die­se ers­ten Maß­nah­men er­le­digt, ist die Po­li­zei zu ver­stän­di­gen. Theo­re­tisch reicht es auch aus, den Jagd­päch­ter zu in­for­mie­ren, es wird je­doch höchst sel­ten vor­kom­men, dass man hier die ent­spre­chen­den Kont­akt­da­ten zur Hand hat. Nach­dem die Po­li­zei ver­stän­digt wur­de, wird die­se die Un­fall­stel­le auf­su­chen oder den Jagd­päch­ter in­for­mie­ren, so dass ei­ne Un­fall­auf­nah­me vor Ort er­fol­gen kann.

Ei­ne der­ar­tig­e Un­fall­auf­nah­me ist aus meh­re­ren Grün­den drin­gend an­zu­ra­ten. Zum Ei­nen kann die Po­li­zei oder der Jagd­päch­ter vor Ort be­stä­ti­gen, dass es sich um ei­nen Wild­un­fall ge­han­delt hat, un­ter Be­nen­nung der ent­spre­chen­den Wild­art. Hier soll­te auf ei­ner Un­fal­lauf­nah­me­be­schei­ni­gung be­stan­den wer­den, da die­se für die Re­gu­lie­rung des Scha­dens bei der ei­ge­nen Kas­kover­si­che­rung not­wen­dig ist. Da­rü­ber hi­naus ist die Mit­tei­lung des Un­fal­les an die Po­li­zei oder den Jagd­päch­ter not­wen­dig, um straf­recht­li­che Er­mitt­lungs­maß­nah­men zu ver­mei­den. Lässt man näm­lich an­ge­fah­re­nes Wild lie­gen und ent­fernt sich von der Un­fall­stel­le, oh­ne ei­ne ent­spre­chen­de Mit­tei­lung zu ma­chen, be­geht man ei­ne Un­fall­flucht, wel­che straf­recht­li­ch ge­ahn­det wer­den kann. Auch stellt das Lie­gen­las­sen ver­un­fall­ten Wildes ei­nen Ver­stoß ge­gen die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung dar und kann buß­gel­drecht­lich ge­ahn­det wer­den.

Ver­si­che­rungs­recht­lich ge­se­hen ist Wild­un­fall nicht gleich Wild­un­fall. Häu­fig kommt es zu Prob­le­men bei der Re­gu­lie­rung der durch Wil­dun­fäl­le ver­ur­sach­ten Schä­den. Hier­bei ist zu be­ach­ten, dass nicht je­der Un­fall mit ei­nem wil­den Tier, als Wild­un­fall im ver­si­che­rungs­recht­li­chen Sinn­e gilt. Häu­fig re­gu­lie­ren Ver­si­che­rer Wil­dun­fäl­le nur bei Zu­sam­men­stö­ßen mit Jagd­wild. So ent­schied bei­spiels­wei­se das Land­ge­richt Co­burg, dass ein Zu­sam­men­stoß mit ei­nem Eich­hörn­chen nicht un­ter den Ver­si­che­rungs­schutz fällt. 

Ein wei­te­res Prob­lem bei der Scha­dens­re­gu­lie­rung stellt sich häu­fig dann, wenn man we­gen ei­nem Wild­wech­sel mit sei­nem Fahr­zeug aus­ge­wi­chen ist und es zu ei­nem Zu­sam­men­stoß mit ei­nem ent­ge­gen­kom­men­den PKW oder mit an­de­ren Hin­der­nis­sen ge­kom­men ist. Zum ei­nen wird es un­ter Um­stän­den schwer nach­weis­bar sein, dass man in­fol­ge ei­nes Wild­wech­sels ver­kehrs­be­dingt aus­wei­chen muss­te, zum an­de­ren ist ein Aus­wei­chen in der Re­gel nur bei Groß­wild er­laubt. So exis­tie­ren zahl­rei­che Ent­schei­dun­gen, dass bei Fahr­zeug­füh­rern ei­ne Mit­haf­tung an­ge­nom­men wird, wenn die­se mit ihrem PKW in­fol­ge ei­nes die Stra­ße que­ren­den Ha­sens aus­weichen und hier an ei­nem Baum lan­den und ei­nen To­tal­scha­den ver­ur­sachen. Er­wähn­te Ge­rich­te füh­ren hier­zu aus, dass es bei ei­nem Zu­sam­men­stoß mit dem Ha­sen zu weit­aus we­ni­ger schwer­wie­gen­den Schä­den ge­kom­men sei und sich der Fahr­zeug­füh­rer dies zu­rech­nen las­sen müs­se. Nicht sel­ten ver­su­chen Scha­dens­ver­si­che­rer durch den Vor­wurf ei­nes nicht un­er­heb­li­chen Mit­ver­schul­dens des Fahr­zeug­füh­rers die Scha­dens­re­gu­lie­rung zu ih­ren Guns­ten ab­zu­wen­den.

Zu gu­ter Letzt sei noch da­rauf hin­ge­wie­sen, dass drin­gend von der Mit­nah­me ver­un­fall­ten Wil­des ab­zu­ra­ten ist, da es sich hier­bei um Jagd­wil­de­rei han­delt und emp­find­liche Geld­stra­fen, bis hin zu Frei­heits­stra­fen dro­hen.

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